Sunday, January 19, 2014 - 00:21

Neues von der Redtube-Abmahn-Front: Das Gutachten und der Umzug

Der Mainzer Kanzlei MMR ist es gelungen das ominöse Gutachten in die Finger zu bekommen. Es ist in etwa das, was ich von einem Auftragsgutachten erwartet hatte. Man bohrt blos nicht zu tief, um den Kunden nicht anzupissen. Aber dieses Exemplar ist schon arg gnädig.

Nach der Lektüre des Gutachtens stehe ich vor der ungeklärten Frage was das sein soll. Ein Gutachten über eine Software oder ein Reisebericht durch Neuland.

Der tätige Gutachter - ich hätte auf Physiker oder Chemiker schon vorher gewettet - wird von Diehl & Partner als erfahrener Gutachter in IT Sachfragen dargestellt. Den Eindruck hat man nicht wirklich.

Dieser Reisebericht durch Neuland ist nichts. Schon gar kein Gutachten zu GLADII. Aus dem Gutachten ist nicht mal ersichtlich ob Diehl & Partner das Subjekt der Begutachtung überhaupt jemals in den Fingern hatte. Geschweigen denn, sich das auch mal angesehen hat. Die penetrant unpräzise und für ein Gutachten eher ungewöhnliche Formulierung lässt das offen. Wenn ich gut fachlich raten müsste würde ich nein sagen.

Das ergibt sich aus dem Zeitraum der Begutachtung und dem im Gutachten Gesagten.

Nach der Lektüre des Gutachtens stellt man sich dann auch prompt die Frage wozu man dazu einen Gutachter braucht. Diesen Reisebericht hätte ich mir von jedem X beliebigen Horst auf der Straße anfertigen lassen können, der in der Lage ist Neuland mit einem Browser anzufliegen. Das hätte sogar ein Richter am LG Köln geschafft.

Das zentrale Problem im Gutachten ist nicht mal die für ein IT Gutachten eher magere Protokollierung und die dürftige Beschreibung des Setups. Es ist die Tatsache, dass GLADII hier zu keinem Zeitpunkt überhaupt begutachtet wurde, denn es ist vollkommen unklar und auch für den Gutachter in keiner Weise überhaupt nachvollziehbar wie die Daten in die Datenbank kommen. Im Gutachten steht, dass die Dateien und die Hoster vom Auftraggeber bestimmt wurden.

Die folgenden drei Medien-Dateien wurden vom Auftraggeber als zur Überprüfung der Software geeignete beispielhafte Dateien auf verschiedenen Medien-Hostern bestimmt:

 Insofern ist diese Schlussfolgerung im Gutachten höchst spaßig:

Diese von uns durchgeführten Aktionen waren durch den Betreiber der Software GLADII sicher nicht planbar, so das gefolgert werden muss, dass die von der Software GLADII gewonnenen Daten auf tatsächlichen, in Echtzeit durchgeführten Messungen beruhen.

Ist das so? Ist denn da ersichtlich was konkret die Quelle für die Daten ist? Könnte ja theoretisch auch ein Log sein. Dann habe ich die Daten natürlich in "Echtzeit". Allerdings bescheiße ich dann eben auch etwas und die Software würde in dem Fall schlicht gar nichts tun. Wenn ich die Hoster bestimme wäre das immerhin eine Möglichkeit.

Im übrigen einer der Gründe weshalb man sich primär die Software ansieht und dann nur noch sekundär testet ob das auch auf Portal X funktioniert. Schorr hat schlicht keine Ahnung ob die Software hier irgendwas getan hat. Er vermutet das nur weil das Ergebnis sich mit seinen Erwartungen deckt.

Das ist nicht die Aufgabe eines Gutachters sonder schlicht eine katastrophale Fehleinschätzung der Aufgabe eines Gutachters, der die Funktionsweise und Funktionsfähigkeit von Software begutachten soll. Das hier Geleistete kann jeder taugliche Hoschi von der Straße. Als Gutachter muss ich mir die Funktionsweise der Software ansehen und dann sehen ob sich das mit den Ergebnissen deckt. Für den Gutachter ist grundsätzlich egal ob das auch auf Plattform X, Y und Z funktioniert. Es gibt immer irgendwas wo es nicht funktioniert. Das ist aber für eine grundsätzliche Funktionsfähigkeit nicht relevant. Oder war das ein Gutachten zur Funktionsfähigkeit bei den 3 Hostern? Redtube war dann aber nicht dabei.

Es gibt einen schönen Schenkelklopfer ...

Die bei den Tests durchgeführten Aktionen beruhen technisch auf üblichen Internet-Technologien, welche beim Einsatz in dem verwendeten Test-Szenario keine Bedenken hinsichtlich etwaigen Gesetzesverstößen erkennen ließen.

Die Aktionen sind natürlich die Aktionen von Schorr und nicht die von GLADII. Letztere sind Schorr ja überhaupt nicht bekannt. Was formuliert Sebastian dazu in seinem Antrag?

Die Vorgehensweise der Software beruht auf üblichen und gebräuchlichen Internet Technologien, die von der Kanzlei Diehl und Partner in dem Gutachten...

Schorr schreibt also, dass seine Aktionen auf üblichen Internettechnologien beruhen. Sebastian macht daraus, dass GLADII auf üblichen Internettechnologien beruht. Und das tut es ganz sicher nicht.

Man musste also sogar noch den Reisebericht biegen, denn ganz offensichtlich bestätigt Diehl & Partner das von Sebastian behauptete in ihrem Gutachten eben nicht.

Ich weiß was du letzten Sommer getan hast.

Es gibt in dem fachlich interessanten Gekritzel - ist das eine Schreibmaschine? - aber eine kleine Perle. Und die finden wir auf Seite 8 des Reiseberichtes nach Neuland. Dort beschreibt Schorr die Auswertungsmöglichkeiten des Tools zu dem er über Web-Interface Zugang hatte. Vorgeblich GLADII.

Er schreibt da

In einem weiteren Abschnitt ist die Reihe von Aktionen protokolliert, welche während der Besuche durchgeführt wurden. In einem Beispiel waren dies:

  1. Ansteuern der Hauptseite "/" um 21:15:27 Uhr
  2. Auswählen der Mediadatei entsprechenden Videos um 21:15:27 Uhr
  3. Starten der Wiedergabe des Videos vom Hoster um 21:15:32 Uhr
  4. Stoppen der Wiedergabe des Videos um 21:15:59 Uhr
  5. Fortsetzen der Wiedergabe 21:16:03 Uhr
  6. Stoppen der Wiedergabe um 21:16:15 Uhr
  7. Fortsetzen um 21:16:16 Uhr

Als Nebenbemerkung... Diehl & Partner hat interessante Arbeitszeiten.

Mal abgesehen davon, dass Schorr ganz schön flinke Finger hat ( man siehe Zeitstempel 1. und 2. ) ist der auf den ersten Blick wenig aufregende Punkt 1 höchst interessant.

GLADII protokolliert den Zeitpunkt zu dem der Nutzer die Hauptseite des Portals aufgerufen hat? Rückwirkend ist das ja nun kaum möglich. Entsprechend müsste GLADII dann wohl die Aktionen aller Nutzer auf der Plattform protokollieren. Denn nur dann kann man später bei einem vorgeblichen Verstoß eine derartige Information angeben.

Konkret muss GLADII die Bewegungen aller Nutzer auf XVideos, TNAFlix und DrTuber ( die während des Tests beobachteten Plattformen )  im Testzeitraum aufgezeichnet haben. Sonst könnte man kaum wissen, dass die IP mit der Herr Schorr in Neuland unterwegs war um 21:15:27 die Portalseite aufgerufen hat. Die angebliche Urheberrechtsverletzung hat er ja erst 5 Sekunden später begonnen. 

Die Krücke unter den dreien ist TNAFlix. Das Paradepferd XVideos. Die Seiten haben im Durchschnitt des Dreigestirns etwa 210.000 Nutzer ... pro Stunde. Da mindestens jeder Nutzer auf der Portalseite getrackt werden muss sind das mindestens 630.000 Datenbankeinträge pro Stunde. Oben offen. Da dürfte die Frage wo GLADII lief wohl geklärt sein. Ganz sicher nicht unter Aufsicht von Diehl & Partner. Aber das hatten wir ja schon vermutet :-)

Damit ist dann auch die Frage geklärt was Herr Schorr von Diehl & Partner begutachtet hat. Seine Fähigkeit einen Browser zu bedienen und zu spekulieren. Herzlichen Glückwunsch.

Und wie genau sollte so ein Verhalten mit deutschen Gesetzen in Einklang zu bringen sein? Das sind ja nicht mal Nutzer auf der eigenen Plattform.

Womit allerdings noch nicht geklärt wäre, wie das Tracking funktionieren soll. Was genau ist gleich nochmal die zentrale Frage bei so einem Gutachten? Ah. Ja. Wie arbeitet die Software...

Abschließen kann man den Richtern am LG Köln noch mal schön eins reinwürgen. Dieses Gutachten - sofern das diesmal alles ist - ist nichts. Es erklärt nicht wie itGuards an die Daten kommt und damit ist es vollkommen untauglich, um zu klären ob die Software zur Erhebung der Daten überhaupt genutzt werden kann. Ähnlich wie man auch schon im Antrag von Sebastian ein paar Ungereimtheiten hätte finden müssen, hätte man auch hier die Brauen heben müssen und sich die Frage stellen müssen was genau das Gutachten über die Funktionsweise von GLADII aussagt? Nichts.

Aber wenn man schon den Antrag nicht gelesen hat, hat man wohl auch das Gutachten nicht gelesen. Ging ja aber auch nicht um was wirklich dramatisches. Sind ja nur Grundrechtsverletzungen in 5 stelliger Höhe ...

Kommen wir zum 2. Spaß des Abends. Es gibt einen Umzug und einen Wechsel. The Archive AG ist von einem Kaff ins nächste gezogen. Von Bassersdorf nach Weisslingen. Philipp Wiik ist ausgeschieden. Ihn ersetzt jetzt Djengue Nounagnon Sedjro Crespin ... beninischer Staatsbürger mit angeblichem Wohnsitz in ... richtig: Weisslingen. Ist ja üblich, dass der Firmensitz umzieht, wenn die Firma einen neuen Chef bekommt.

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