Tuesday, January 15, 2013 - 02:18

Gesellschaftliche Aspekte in der Ausbildung von Informatikern

Konkret geht es in einem Beitrag der GI vorwiegend um ethische, rechtliche und juristische Dimensionen unserer Arbeit und eine Forderung, dass diese in die Ausbildung einfließen sollte.

In diesem Kontext sollte man auch erwähnen, dass die GI eben dieses auch von ihren Mitgliedern fordert. Unter anderem in ihrer Leitlinie.

Ich kann mich zwar den Leitlinien der GI größtenteils und auch inhaltlich der Forderung anschließen. Muss mich aber der Forderung nach einer Aufnahme in die Ausbildung verschließen.

Ethisches Handeln ist nichts, das man nebenbei mal eben so vermitteln kann. Dasselbe gilt für juristische Aspekte, die ähnlich wie unsere Tätigkeit einem recht drastischen und stetigen Wandel unterzogen sind. Wenn ich eine fundierte und aktuelle Meinung zum Datenschutz benötige muss ich einen Juristen befragen. Da kann ich mich nicht auf mein Halbwissen berufen und ein Kunde wäre damit auch schlecht beraten.

Um sensibilisiert und verantwortungsvoll Informatik betreiben zu können, bedürfe es grundlegenden Wissens, um rechtliche, gesellschaftliche und politische Dimensionen der Arbeit überblicken und einschätzen zu können

Das ist richtig. Das grundlegende Wissen ist hier aber nicht theoretisch vermitteltes Ausbildungswissen sondern konkretes Wissen bezüglich des Projektes. Eine Axt ist ein Werkzeug oder eine Waffe. Was sie ist hängt davon ab wem man sie in die Hand drückt. Etwaiges Wissen über die Schneide oder die Vorschriften von Waldarbeitern und Axtmördern ist diesbezüglich völlig irrelevant.

Bei uns sind es eher Aspekte wie Datenschutz, Urheberrecht und Dual Use. Aber auch da gibt es selten grundsätzlich richtig und grundsätzlich falsch. Was in Deutschland urheberrechtlich verboten ist kann in den USA legal sein. Datenschutz in einer öffentlichen Gruppe kann etwas völlig anderes sein als Datenschutz in einer geschlossenen. Und das Problem Dual Use existiert wie bei der Axt meistens und lässt sich selten generisch und ohne konkreten Projektbezug verhindern ... sofern man das überhaupt wünscht.

Ein System das grob formuliert Daten nach - wie auch immer gearteten - Verbindungen durchwühlt kann eben auch für eine Rasterfahndung interessant sein, die eine Vielzahl von Bürgen betreffen kann. Der Sinn und Zweck des Border Gateway Protokolls ist eigentlich auch nicht das Abkoppeln vom restlichen Internet sondern das Gegenteil. Syrien, genau wie zuvor schon Ägypten, hat genau dies kürzlich mittels Eingriffe in die Routen getan.

Ein System das in Echtzeit Bodenkonturen optisch erfasst und auswertet kann der Kartographie, der Landschaftsvermessung oder der Navigation dienen. Es kann aber auch als Waffensteuerung eingesetzt werden.

Ethisches Handeln ist selten generisch definierbar. Es hängt am konkreten Fall und selbst da kann es recht problematisch sein. Vor allem ist es eine Entscheidung, die jeder mit sich selbst ausmachen muss. Mein Respekt für Menschen, die abseits vom Offensichtlichen versuchen anderen ihre Sicht der Welt aufzuzwingen hält sich in Grenzen. Wer sich hinstellt und Kollegen anprangert die Waffen oder Spionagewerkzeuge für den Staat entwickeln sollte sich mal fragen wie ethisch er selbst handelt wenn er diejenigen wählt, die den Kollegen dann damit beauftragen. Oder anders formuliert. Wer Schwarz, Rot, Gelb oder Grün gewählt hat sollte mit derartigen Anschuldigungen äußerst vorsichtig sein.

Wir haben keine exponierte gesellschaftliche Verantwortung. Wir haben eine Verantwortung der Gesellschaft ihr Handeln zu erklären wenn es unser Gebiet betrifft.

Es ist nicht meine Aufgabe der Gesellschaft zu erklären das Datenschutz richtig oder falsch ist. Es ist meine Aufgabe ihr zu erklären welche Konsequenz ein technisches System auf den Datenschutz hat. Den Rest muss sie dann schon mit sich selbst ausmachen.

Und Einige von uns sitzen diesbezüglich auf einem etwas unangemessen hohen Ross. Insbesondere beim Datenschutz. Anstatt den Nutzern Systeme zu bieten, die sie dazu ermächtigen Datenschutz nach ihrem Gutdünken durchzusetzen forcieren wir lieber Systeme, die - sofern der Anbieter nichts dagegen hat - ihnen dieses nur vorgaukeln. Ein schönes Beispiel dafür ist DNT. Optionaler hätte man es vermutlich nicht formulieren und umsetzen können.

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