Wednesday, April 24, 2013 - 00:58

Die Telekom und die neue Freude am Volumentarif Shitstorm.

Dass die Telekom zukünftig ihre Flatrate einstellen aber den darauf folgenden Kombitarif dann immer noch - analog zu den Betrügereien im Mobilfunkmarkt - Flatrate nennen wird hat sich ja schon rumgesprochen. Weniger klar und übersichtlich scheint zu sein, was das konkret heißt.

Exemplarisch am 16k Vertrag. Dieser wird auf 75GB gedrosselt. Man hat zukünftig also eine Volumentarif mit 75GB und einer 16mbit Anbindung. Die darauf folgende Schrott-Flatrate mit einer Anbindung von 384kbit ist - genauso wie die 56k Flatrate im Mobilfunkmarkt - nicht weiter erwähnenswert. Müll für den man nur von denen Geld bekäme, die ihre Buschtrommel versetzt haben.

75GB sind eine Zahl mit der viele nichts anfangen können. Die Menge entspricht etwa:

  • 15 DvD
  • 1h YouTube HD Video pro Tag
  • 20 Minuten Volllast pro Tag
  • einer durchschnittliche Anschluss Auslastung von 1.4%
Bei 15 DvD werden vermutlich viele noch glauben, dass sie das nie schaffen. Bei 1h YouTube dürften das ein paar davon schon anders sehen. Bei einem 4 Personen Haushalt kann man das auch wie folgt aufteilen. 2 x 15 Minuten YouTube. 1 x Tagesschau in der ARD Mediathek und die restlichen 15 Minuten wird man wohl unter kriegen. Das ist jetzt nicht mehr wirklich viel. Und da ist sonst nichts mehr dabei. Nicht der wöchentliche Spielfilm bei Maxdome/iTunes/Play und Co, nicht die 6GB Updates für die Spiele der Kinder und auch nicht das ständige Syncen irgendwelcher Dienste. Und natürlich auch nicht die Werbung, die man zukünftig bezahlt, um von ihr belästigt zu werden. Das Verhältnis von Inhalt zu Werbung einer nicht übermäßig Medien lastigen Webseite ist fast ausnahmslos zu "Gunsten" der Werbung. Die Startseite des Spiegel hat aktuell 2.3MB. Deutlich über 50% davon sind Werbung.

Das ständig steigende Transfervolumen erfordere einen kontinuierlichen Ausbau der Netze. Und die PR Vollexperten der Telekom haben dafür auch gleich ein Beispiel parat und die dafür veranschlagten Kosten. 80Mrd Euro für einen flächendeckenden Glasfaserausbau in Deutschland.

Um hier den Spaß zu erkennen muss man 2, 3 Dinge wissen. Der Backbone, also das "Netz der Telekom", ist bereits seit langem flächendeckend aufgerüstet. Und nur hier laufen Engpässe auf. Der Glasfaserausbau in Höhe der 80Mrd Euro bezieht sich auf den Anschluss von Endkunden. Ob die Daten nun über Kupfer oder über Glasfaser in den Backbone gespeist werden ist diesem relativ egal. Relevant ist nur wie viel das ist. Wenn die Telekom also ein Problem in ihrem Backbone hat wäre es keine sonderlich gute Idee in Maßnahmen zu investieren, die vornehmlich dazu geeignet sind dieses Problem zu verschärfen. Da das aber nicht der Fall ist wäre das auch kein Problem.

Interessant ist, dass die eigenen Dienste der Telekom von dieser Bremse nicht betroffen sein werden. Die Argumentation der Telekom ist hier, dass diese Dienste nicht betroffen sind weil sie nicht Teil des Problems sind. Und auch das ist wieder nur die halbe Wahrheit. Es ist zwar richtig, dass ein Dienst wie Entertain einen signifikant niedrigeren Fußabdruck im Netz der Telekom hinterlässt als ein vergleichbares Angebot. Das hat allerdings einen weniger magischen aber dafür umso kostspieligeren Grund. Die Telekom hat dafür Infrastruktur aufbauen müssen. Querfinanziert und subventioniert durch den Rest.

Kommen wir noch mal auf die 75GB zurück. 75GB haben einen Marktwert von etwa 9€. Dafür bekommt man die Menge überall. In aller Regel billiger. Alles darüber wäre unverschämter Wucher. Insbesondere für jemanden wie die Telekom, die hier geringfügig anders kalkulieren kann als die weniger gut aufgestellte Konkurrenz. Die Telekom will sich die Volumenbegrenzung bei Neukunden und Vertragsänderungen zusichern. Man darf gespannt sein ob sie dafür dann auch noch die bisherige Mischkalkulation ansetzt. Sollte man ja nicht meinen. Ich würde aber darauf wetten.

Ein Volumentarif ist nicht grundsätzlich falsch. Er ist fundamental fairer als eine Flatrate wo Nutzer mit wenig Volumen, die anderen quer subventionieren. Das funktioniert aber natürlich nur dann, wenn ich auch mehrere Tarife habe und nicht nur einen bei dem dann ausnahmslos die Telekom lachen kann. Wenig Nutzer profitieren ja nicht von der Änderung. Das was sie bisher nicht genutzt haben geht halt nicht mehr an andere sondern verfällt einfach. Die Telekom kassiert wie zuvor auch 2 mal und setzt das Volumen passig in einen Bereich damit sie nach Möglichkeit auch noch ein drittes Mal die Hand aufhalten kann. Nämlich bei all denen, die die Frechheit besitzen sich für andere Bandbreiten hungrige Dienste zu interessieren, die nicht mit einem T beginnen. Und natürlich ist auch die Begrenzung genau so gewählt, dass man mit der tatsächlichen Flatrate in dieser Mogelpackung rein gar nichts anfangen kann. Die Spiegel Seite von oben lädt damit in knapp unter einer Minute.

Dass diese Rechnung aufgeht wage ich noch zu bezweifeln. Zum einen hat die Telekom damit eine schönen PR Shitstorm losgetreten, der sich gerade erst warm läuft. Zum anderen gerät sie damit auch vollkommen berechtigt ins Visier der Regulierer.

Die Abkehr vom Flatrate Modell ist für die Entwicklung des Netzes im Allgemeinen und auch für die weniger dämlichen und kurzsichtigen bei der Telekom selbst wenig vorteilhaft. Wenn Kunden breitbandige Dienste aus Kostengründen meiden...Wozu genau brauchen sie dann noch teurere Anschlüsse mit mehr Bandbreite von der Telekom? Ein Wald-und-wiesen 6000er Anschluss lädt die Spiegelseite oben in knapp 3s und ist nach ungefähr 1 Monat Nutzung bei 1h pro Tag am 75GB Limit angekommen. Als Telekom Kunde braucht man zukünftig also nur noch dann mehr als 6mbit wenn man notorisch ungeduldig ist oder scharf drauf ist einen Aufschlag zu bezahlen. Die Anzahl derer, die Dienste nutzen, die eine 16, 25 oder 50mbit Leitung rechtfertigen und sich dabei innerhalb der jeweiligen Volumengrenzen bewegen dürfe arg überschaubar sein.

Add new comment

This form is protected by Google Recaptcha. By clicking here you agree to include Google Recaptcha for this session. The page will reload and the form will become avaiable.